Am Standort Niederwinkling hat Wallstabe & Schneider mehrere Produktionshallen aus den 1960er Jahren durch einen Neubau in Holzbauweise ersetzt. Die neue Halle wurde auf die Abläufe der Fertigung abgestimmt und schafft bessere Voraussetzungen für die Produktion.

Gleichzeitig folgt das Projekt einer Materialentscheidung, die für das Unternehmen bereits vor der Wahl des Baupartners feststand. Wallstabe & Schneider entwickelt und produziert Präzisionsdichtungen für die Automobilindustrie und weitere industrielle Anwendungen. Das Familienunternehmen beschäftigt rund 1.100 Mitarbeitende und ist mit fünf Produktionsstandorten auf drei Kontinenten vertreten. Die Geschichte des Unternehmens prägt bis heute seine Kultur. Für Christian Wallstabe schließen sich Tradition und Weiterentwicklung dabei nicht aus. „Ich weiß, wo wir herkommen. Tradition ist für uns das Fundament, Innovation der Antrieb.“ 

Am Stammsitz in Niederwinkling sollten mehrere ältere Produktionshallen ersetzt werden. Dabei ging es nicht allein um neue Flächen. Die rund 60 Jahre alten Gebäude wiesen zahlreiche Mängel auf, zugleich ließen sich die Produktionsabläufe in ihrer bisherigen Struktur nicht mehr sinnvoll weiterentwickeln. Der Neubau sollte deshalb sowohl die bestehende Bausubstanz ersetzen als auch die Voraussetzungen für eine wirtschaftlichere Fertigung schaffen. Wallstabe & Schneider hatte bereits mit einer bestehenden Logistikhalle gute Erfahrungen mit dem Baustoff gesammelt. „Für uns war Holz aus mehreren Gründen die richtige Entscheidung. Der Baustoff verursacht während der Errichtung weniger CO₂, kommt aus der Region und schafft eine sehr angenehme Atmosphäre.“ Auch Jahre nach dem Bau der älteren Logistikhalle sei der Baustoff noch wahrnehmbar. „Auch in unserer älteren Halle riecht man das Holz noch heute“, sagt Christian Wallstabe.

Den Zuschlag erhielt schließlich Haas Fertigbau. Ausschlaggebend war nicht eine möglichst kurze Bauzeit. Das Baufeld selbst war frei und die Entscheidung für Holz bereits zuvor getroffen worden. Die kürzere Bauphase durch den hohen Vorfertigungsgrad war für das Unternehmen deshalb ein willkommener Vorteil, aber nicht der Ausgangspunkt der Entscheidung. Entscheidend war vielmehr, dass sich die Konstruktion an die Anforderungen der Fertigung anpassen ließ.

- Christian Wallstabe, geschäftsführender Gesellschafter von Wallstabe & Schneider

Die neue Produktionshalle unterscheidet sich konstruktiv von der bereits bestehenden Logistikhalle des Unternehmens. Dort überspannen rund 37 Meter lange Dachbinder die Halle ohne innen liegende Stützen. Für die neue Produktionshalle wurde eine andere Lösung gewählt. Da sich die Stützen zwischen den Maschinen anordnen ließen, konnte eine leichtere Fachwerkkonstruktion umgesetzt werden. Christian Wallstabe bewertet das nicht als besser oder schlechter. Für ihn ist es eine Bauweise, die zu den Anforderungen dieser Produktion passt. Auch die technischen Bedingungen innerhalb der Halle sind eng mit den Produktionsprozessen verbunden. Maschinen, entstehende Wärme, Abluft sowie Be- und Entlüftung greifen dabei ineinander. 

Wallstabe & Schneider optimiert diese Bereiche auch nach der Inbetriebnahme weiter. Sie zeigen, dass eine Produktionshalle nicht allein durch Grundriss und Tragwerk funktioniert, sondern durch das Zusammenspiel vieler technischer Anforderungen. Für das Dach sind außerdem eine Begrünung und eine Photovoltaikanlage vorgesehen. Die neue Gebäudehülle verbessert nicht nur die Bedingungen innerhalb der Produktion. Auch nach außen zeigt sich ein Unterschied. Die früheren Hallen waren weniger gut gedämmt und verfügten auf der Seite zur benachbarten Bebauung über Fenster. Maschinenlärm war deshalb außerhalb des Werksgeländes wahrnehmbar. Die entsprechende Seite der neuen Halle ist geschlossen ausgeführt. „Wenn man heute draußen bei den Nachbarn steht, hört man vom Maschinenlärm praktisch nichts mehr.“

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Obwohl das eigentliche Baufeld frei war, fand das Projekt innerhalb eines bestehenden und laufenden Produktionsstandorts statt. Zufahrten, Materialbewegungen und die verschiedenen Gewerke mussten so koordiniert werden, dass der Betrieb weiterlaufen konnte. Christian Wallstabe hebt vor allem die Verlässlichkeit während der Bauphase hervor. „Terminlich war Haas sehr zuverlässig. Auch die Arbeit auf der beengten Baustelle hat insgesamt gut funktioniert, und wir konnten das Projekt unfallfrei umsetzen.“

Besonders positiv erinnert er sich an die Menschen, die täglich vor Ort Verantwortung übernahmen. Seine Wertschätzung gilt vor allem den erfahrenen Mitarbeitern und den Projektleitern auf der Baustelle. Namentlich nennt er dabei auch Projektleiter Werner Weber. „Die erfahrenen Mitarbeiter und Projektleiter auf der Baustelle verdienen eine hohe Wertschätzung. Sie müssen viele Abläufe gleichzeitig koordinieren und unmittelbar Lösungen finden, wenn etwas anders kommt als vorgesehen.“ Gerade auf einer Baustelle innerhalb eines bestehenden Industriestandorts müssen Planung, Fertigung und Ausführung ineinandergreifen. Die Verantwortlichen vor Ort koordinieren nicht nur die beteiligten Gewerke, sondern reagieren auch auf Abweichungen und lösen Probleme unmittelbar im laufenden Bauprozess. 

Am Ende entstand eine Produktionshalle, deren Aufbau nicht von einem Standardschema bestimmt wurde, sondern von den tatsächlichen Anforderungen des Unternehmens. Sie schafft kurze Wege innerhalb der Produktion und geht sparsam mit der verfügbaren Fläche um. Zugleich bietet sie den Mitarbeitenden gute Arbeitsbedingungen und ein modernes Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen können. Damit bildet die Halle die Grundlage für die weitere Entwicklung des Standorts Niederwinkling und führt zugleich die bereits vor Jahren getroffene Entscheidung für den industriellen Holzbau konsequent fort.